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Digitalisierung im Alter – (K)ein Grund zur Sorge?

Blockchain, Humanoid Robots, Augmented Reality… Fühlen Sie sich unwohl, wenn Sie diese Begriffe hören? Keine Sorge, das ist kein Grund sich vor der Zukunft der Digitalisierung zu fürchten. Denn unterschätzen Sie Ihre Kompetenz in der Digitalisierung nicht.

 

Ein Beitrag von Michael Rieger, Operativer Leiter der Sanagate.

 

Roboter Nao. ALAMY.
Roboter Nao unterhält Bewohner eines Altersheims in Frankreich. Foto ALAMY.

Kennen Sie noch jemanden, der heutzutage einen Film in eine Fotokamera einlegt? Auch wenn es noch Liebhaber analoger Kameras gibt, gerade die ältere Generation schätzt die einfache Handhabung einer digitalen Kamera und nutzt diese in der heutigen Zeit mit einer grossen Selbstverständlichkeit. Auch das Smartphone ist mittlerweile bei der Generation 65+ ein täglicher Begleiter. So wird das SBB-Ticket über EasyRide gelöst oder mit den Enkelkindern über WhatsApp kommuniziert. Selbst die Online-Partnersuche ist kein Tabu mehr. Auch komplexere Anwendungen wie E-Banking oder das Online-Check-In werden bereits regelmässig von den älteren Generationen genutzt. 

 

Sie haben die Kompetenz – und sie wird täglich grösser

Wenn wir uns zurückerinnern, wissen wir, dass uns viele digitale Anwendungen anfänglich Mühe bereitet haben. Was wir jedoch oft vergessen ist, wie schnell wir gelernt haben damit umzugehen. Wir können uns diese Anwendungen heute nicht mehr wegdenken. Auch wenn es vielleicht ein einfaches Beispiel ist, aber stellen Sie sich vor, Sie hätten keine Fernbedienung mehr zu Ihrem Fernseher. Sie würden die Fernbedienung vermissen und das Umschalten direkt am Fernseher sehr mühsam finden.

Mit dem Bewusstsein, dass wir uns schnell an neue Technologien und Anwendungen gewöhnen, müssen wir auch die Zukunft angehen. Obschon uns der erste Schritt schwerfällt. Egal welchen Alters, wir haben die Kompetenz zu lernen, wie wir mit neuen digitalen Anwendungen umgehen. Es braucht nur den Willen und den Mut, Neues auszuprobieren. So wird unsere Kompetenz laufend grösser.

 

Die digitale Alterskluft ist schon bald geschlossen

In den letzten Jahren haben die älteren Generationen in der Häufigkeit der Nutzung des Internets markant aufgeholt. Während vor 10 Jahren die SchweizerInnen der Generation 70+ das Internet unter 20% regelmässig nutzten, sind es heute schon über 50%. Bei den 60- bis 69-Jährigen hat sich die Nutzung im selben Zeitraum um über 30% gesteigert und hat damit schon fast zur Nutzungsquote der jüngeren Generationen aufgeschlossen. Auch die erweiterte digitale Kompetenz wird vom Bundesamt für Statistik empirisch erhoben. Obwohl hier noch eine klare Lücke zwischen den Generationen besteht, ist die Kompetenz der älteren Generationen hoch und Unterschiede kleiner als vermutet. Erfreulich ist der europäische Vergleich. Im Altersschnitt ist die Schweiz zwar nur auf dem neunten Rang und reiht sich hinter den nördlichsten Ländern Europas ein. Betrachtet man aber nur die Generation der 55- bis 74-Jährigen, schafft die Schweiz den Sprung auf Rang 4 und steht dem Leader Luxemburg um nur wenig nach.

 

Auch die Forschung konzentriert sich vermehrt auf Themen der älteren Generationen. In der Schweiz sind immerhin 17.6% der Schweizer Bevölkerung älter als 65 Jahre. Die Industrie hat diese “Digital Seniors“ schon länger als Zielgruppe im digitalen Markt erkannt und schafft entsprechende Angebote. Im Bereich der Forschung bildete sich mit AGENT (nationales Innovationsnetzwerk „Alter(n) in der Gesellschaft“) ein Netzwerk, welches sich mit diesen Themen auseinandersetzt und zur noch schnelleren Schliessung der digitalen Alterskluft beiträgt. AGENT untersucht mit dem Projekt «LivingLab 65+» unter anderem wie sich die Selbständigkeit durch neue Technologien im Alter erhöhen lässt, oder der humanoide Roboter Nao Senioren zu Gymnastik animieren kann.

 

Digitalisierung in der Gesundheitsbranche

Sowohl Krankenversicherer wie auch Apotheken, Spitäler und Therapeuten setzen zunehmend auf die Digitalisierung. Die neuen Services sollen dem Kunden nützlich sein und einen Mehrwert bieten. So stehen Ihnen beispielsweise digitale Kundenportale, Fitness-Apps, Versandapotheken oder auch Erinnerungsfunktionen per SMS zur Verfügung. Die digitalen Angebote können Ihnen den Kontakt mit den Dienstleistern vereinfachen und mehr Selbstbestimmung bieten. Viele Kunden wollen sich zudem lieber zuerst selber via Website informieren, bevor sie mit dem Unternehmen per Telefon, E-Mail oder einem Online-Formular in Kontakt treten. Die Digitalisierung unterstützt hier wesentlich, bisherige Prozesse zu vereinfachen und auch Kosten zu sparen.

 

Wie bleiben Sie am Ball?

Grundsätzlich gilt die Regel „Probieren geht über studieren“. Glauben Sie an Ihre Kompetenzen, die Sie aus vergangenen Erfahrungen erlangt haben. Seien Sie mutig. In der Regel können Sie nichts falsch machen. Beanspruchen Sie Hilfe, wenn Sie selber nicht mehr weiterkommen.

 

TIPP: Fragen Sie Ihre Kinder und Enkelkinder. So erhalten Sie unmittelbar und umfassend Unterstützung von geübten Anwendern. Weitere Hilfe erhalten Sie hier:

  • Pro Senectute 
    Grösste und bedeutendste Dienstleistungsorganisation für ältere Menschen und Angehörige. Bieten auch diverse Kurse und Angebote für digitale Technologien.
  • Seniorweb.ch 
    Umfangreiche Plattform für Senioren, nicht nur für den digitalen Bereich. Bietet u.a. eine gute Übersicht für Kurse rund um digitale Themen.
  • Seniorinnen.ch 
    Engagierte Senioren helfen sich selber bei aller Art von Problemen in der Computerwelt.
  • Seniorencampus 
    Der Seniorencampus gehört zur Migros Klubschule und bietet konkrete Kurse für digitale Anwendungen im Alltag, bspw. zu WhatsApp.

FAZIT

Sie haben die digitale Zukunft selber in der Hand: Bleiben Sie furchtlos und seien Sie nicht überrascht, wenn Sie beim Eintritt ins Altersheim ein humanoider Roboter erwartet. Begrüssen Sie ihn mit offenen Armen und einem mutigen Lächeln.

Mehr Informationen zu diesen Themen:

 

Studie FH St.Gallen: Nutzen von digitalen DL bei Menschen 65+ (2017)

 

Nationales Innovationsnetzwerk: Alter(n) in der Gesellschaft (AGENT)Roboter NAO im Einsatz

 

Pro Senectute: Studie Digital Seniors (2015)

 

Bundesamt für Statistik: Digitale Kompetenz (2019)Publikation digitale Kompetenz (2017)Internetnutzung (2019)

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